KI Governance ist ein zentraler Bestandteil moderner Governance-, Risk- und Compliance-Strukturen (GRC) und bezeichnet den organisatorischen, rechtlichen und technischen Ordnungsrahmen (oder die „Leitplanken“), mit dem Unternehmen und Organisationen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz steuern, überwachen und verantworten. Ziel ist es, KI-Systeme sicher, rechtskonform, transparent und im Einklang mit unternehmerischen sowie regulatorischen Anforderungen einzusetzen, wie beispielsweise dem EU AI Act, NIS-2 oder anderen Regel- und Rahmenwerken, die für eine Unternehmensführung im Kontext des KI-Einsatzes zu berücksichtigen sind. Allerdings ist der Begriff der KI Governance nicht einheitlich definiert – aus diesem Grund liefern wir mit diesem GRC-Wiki Beitrag eine allgemeingültig Definition des Begriffes und stellen die wichtigsten Aufgaben von „KIG“ vor.
Die wichtigsten Aufgaben von KI Governance
KI Governance definiert im Allgemeinen, wie Künstliche Intelligenz (KI) im Unternehmen eingeführt, genutzt, überwacht und weiterentwickelt wird. Sie legt nicht nur fest, welche KI-Systeme (z.B. Google Gemini, ChatGPT, Copilot oder ähnliche LLMs) eingesetzt werden dürfen, auf welchen Daten sie basieren bzw. zugreifen dürfen, wer Entscheidungen freigibt (Stichwort: „Human in the Loop“) und wie Risiken durch den KI-Einsatz bewertet und kontrolliert werden.
Zu den zentralen und wichtigsten Aufgaben der KI Governance gehören beispielsweise
- die Entwicklung verbindlicher KI-Richtlinien,
- die klare Zuordnung von Rollen und Verantwortlichkeiten,
- die Dokumentation von Modellen und Einsatzkontexten sowie
- die Bewertung rechtlicher, ethischer und technischer Risiken.
Darüber hinaus umfasst KI Governance auch die kontinuierliche Überwachung bestehender KI-Anwendungen und KI-Integrationen in Prozesse und Produkte eines Unternehmens und deren Anpassung an neue regulatorische oder organisatorische Anforderungen. Damit ist KIG nicht nur eine Aufgabe der Geschäftsführung oder Unternehmensleitung, sondern auch in Fachabteilungen ein wichtiger und elementarer Teil der Prozesskette.
Kernprinzipien der KI Governance
KI Governance folgt klaren Steuerungsprinzipien, die den verantwortungsvollen Einsatz von KI im Unternehmen sicherstellen. Zentrales Element ist die Verantwortlichkeit: Zuständigkeiten, Entscheidungswege und Kontrollmechanismen müssen eindeutig definiert sein – das ist, wie oben beschrieben, Aufgabe einer klaren KI Governance Richtlinie. Darauf aufbauend sorgt Transparenz (z.B. durch Informations- und Dokumentationsprozesse) dafür, dass der Einsatz, die Funktionsweise und der Zweck von (implementierten) KI-Systemen nachvollziehbar dokumentiert sind.
Ein weiteres Grundprinzip ist der risikobasierte Ansatz, bei dem KI-Anwendungen abhängig von ihrem Einsatzkontext und ihrer potenziellen Wirkung unterschiedlich bewertet und gesteuert werden. Eine gute Orientierung bietet hier bereits das 4-Stufen Risiko-Modell zur Risikobewertung nach EU AI Act. Ergänzend dazu stellt Compliance-by-Design sicher, dass rechtliche und regulatorische Anforderungen bereits bei Einführung und Nutzung von KI berücksichtigt werden. Diese Prinzipien werden nicht statisch verstanden, sondern im Rahmen einer kontinuierlichen Überprüfung regelmäßig angepasst und weiterentwickelt.
Einordnung im Kontext von Governance, Risk und Compliance
In der GRC-Beratung ist KI Governance ein zentrales Bindeglied zwischen Governance, Risk und Compliance. Sie übersetzt regulatorische Anforderungen und interne Leitlinien in konkrete Steuerungs- und Kontrollmechanismen für KI-Systeme.
- Aus Governance-Sicht geht es um strategische Steuerung, Entscheidungsprozesse und unternehmensweite Leitlinien für den KI-Einsatz.
- Aus Risk-Sicht stehen Risiken wie Fehlentscheidungen, Bias, Haftungsfragen, Reputationsschäden oder die Verhinderung von Shadow AI im Fokus.
- Aus Compliance-Sicht stellt KI Governance sicher, dass gesetzliche Vorgaben, insbesondere DSGVO, EU AI Act und angrenzende IT- und Sicherheitsanforderungen, systematisch eingehalten und nachweisbar umgesetzt werden.
KI Governance macht KI damit zu einem steuerbaren und prüfbaren Bestandteil der unternehmerischen Gesamtsteuerung, die sich nicht nur auf das Level der Geschäftsführung beschränkt!
Praxisrelevanz für Unternehmen
KI wird zunehmend in produktiven Prozessen eingesetzt, etwa bei Entscheidungsunterstützung, Automatisierung oder generativer KI. Ohne klare KI Governance entstehen schnell unkontrollierte Nutzungen, Datenschutzrisiken und regulatorische Lücken. Unternehmen benötigen daher verbindliche Regeln für den KI-Einsatz, klare Freigabeprozesse, Transparenz über genutzte Tools und Modelle sowie eine laufende Risikoüberwachung wie unseren KI Risiko Check.
KI Governance Beratung durch Elsen GRC
Elsen GRC unterstützt Unternehmen beim Aufbau und der Weiterentwicklung einer praxistauglichen KI Governance. Zu unserer Beratungsleistung gehören die Analyse bestehender KI-Nutzungen, die Entwicklung klarer KI-Richtlinien und Rollenmodelle, die Bewertung von Risiken und Compliance-Anforderungen sowie die Integration von KI Governance in bestehende GRC-Strukturen. Ziel ist es, KI rechtssicher, nachvollziehbar und wirtschaftlich sinnvoll einzusetzen und gleichzeitig Risiken wie Shadow AI oder regulatorische Verstöße zu vermeiden. Klingt passend? Dann vereinbaren Sie gerne eine unverbindliche KI Governance Erstberatung.
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Quellen und Verweise:
- Europäische Kommission: EU AI Act
- OECD: AI Governance and Risk Management
- ENISA: Cybersecurity and Governance Frameworks



